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Mortler: Landwirtschaft in Deutschland ist vielseitig und unverzichtbar

07. September 2012

Noch Landwirt oder schon Energiewirt? Diese und ähnliche Fragen zum Selbstbild sowie zur Zukunft der Landwirtschaft stellte mir Wolfram Göll vom Bayernkurier.

 

Bayernkurier: Die umwelt­freundliche Energieerzeugung ist für viele Bauern ein willkommenes Zubrot geworden. Wie ist derzeit eigentlich das Selbstbild des Berufsstandes? Noch Landwirt oder schon Energiewirt?

 

Marlene Mortler: Unsere Land- und Forstwirtschaft steht mit dem vor- und nachgelagerten Bereich für über 760 000 Arbeitsplätze, vor allem im ländlichen Raum. Das prägt das Bild des Freistaats. Meine Vision und Überzeugung ist, dass auch künftig starke Bauernfamilien für ein starkes Bayern stehen. Zuvorderst sind sie dabei Erzeuger hochwertiger Lebensmittel, aber andere Standbeine gewinnen an Bedeutung. Über 80 Prozent setzen auf unterschiedliche Einkommenskombinationen, ob im Nebenerwerb, als Direktvermarkter, Urlaubsbauernhof oder Energiewirt. So sind sie unabhängiger von starken Preisschwankungen auf einzelnen Märkten. Für die Energiewende gilt: Die Energieversorgung der Zukunft ist vielfältig und dezentral. Der nötige Umbau trifft Bauern als Grundeigentümer oft unmittelbar. Es liegt für sie nahe, die Wende mitzugestalten und so einmal mehr zu zeigen: Landwirtschaft in Deutschland ist vielseitig und unverzichtbar.

 

Bayernkurier: Speziell im Spätsommer und Frühherbst begegnen einem in den Dörfern regelrechte Monster-Anhänger mit gehechseltem Mais für die Biogasanlagen. Wo ist die Grenze, wo saubere Bioenergie in ökologisch bedenkliche Monokultur kippt?

 

Mortler: Technischer Fortschritt macht – selbst wenn manch weltfremder Werbespot anderes suggeriert – vor unse­rer Landwirtschaft nicht halt. Schlepper und Maschinen sind heute größer, aber sicherer, effizienter und bodenschonender als früher. So senken wir beispielsweise die CO2-Emmissionen im Ackerbau. Zur Anbaufläche: Vielfach wird in Bayern nicht mehr Mais kultiviert als in den 70ern. An einseitigen Fruchtfolgen haben Landwirte schon aus Gründen nachhaltigen Wirtschaftens kein Interesse. Die gute fachliche Praxis ist für sie Leitlinie, egal ob sie Nahrungsmittel, Futter- oder Energiepflanzen anbauen. Nicht zuletzt steuert die Politik möglichen Fehlentwicklungen beim Biogas entgegen: Wir begrenzen den Maisanteil bei der Biogaseinspeisung auf 60 Prozent. Gülle- und Reststoffverwertung sowie kleine und dezentrale Anlagen werden gezielt gefördert.

 

Bayernkurier: Naturschützer kritisieren, die Bauern setzten immer noch zuviel chemische Keulen und Kunstdünger ein – und schadeten damit dem Artenreichtum. Ist da was dran?

 

Mortler: Manchmal habe ich das Gefühl, einige Naturschützer betrachten Bauern als Menschen von vorgestern. „Landwirt“ ist ein anspruchsvoller Ausbildungsberuf. Unsere Landwirte sind fachlich qualifizierte, verantwortungsbewusste Unternehmer, die erfolgreich in und mit der Natur wirtschaften wollen. Sie wissen: Dafür braucht es gute, gesunde Böden – über Generationen. Bei Pflanzenschutz und Düngung gilt der Grundsatz „So wenig wie möglich, so viel als nötig“ – das ist das Beste für die Pflanze und fürs eigene Portemonnaie.Stichwort Rückgang der Artenvielfalt: Seit 1980 wurde Acker- und Grünland in einer Dimension von fast 500 000 Fußballfeldern überbaut. Das trägt wesentlich zum Artenrückgang bei. Unsere Landwirte steuern dagegen etwa mit der Kampagne „Stoppt den Landfraß“ oder mit freiwilligem Umweltschutz: Über 50 000 Betriebe erbringen auf jedem dritten Hektar landwirtschaftlicher Fläche Umweltleistungen über die Agrarumweltprogramme hin­aus, indem sie beispielsweise Lerchenfenster oder Blühstrei­fen anlegen. Hier passiert viel, aber es gibt noch Potenzial.

 

Bayernkurier: In der Landtechnik gibt es phantastische Erfindungen, etwa GPS-gestützte Düngerregulierung, die genau weiß, welche Acker­krume wie­viel Blaukorn oder ähnliches braucht. Ist das nur was für absolute Technik-Freaks oder erwarten Sie, dass solche Erfindungen bald auch in der Breite eingesetzt werden?

 

Mortler: Präzisionslandwirtschaft ist keine Zukunftsmusik: Technische Neuerungen werden längst genutzt, wo ihr Einsatz unternehmerisch sinnvoll ist. Moderne Boden­untersuchungen etwa oder computergesteuerte Fütterungstechnik tragen dazu bei, Pflanzen und Tiere optimal zu versorgen. Allerdings reicht modernste Technik allein nicht aus, wenn Sie mit Lebewesen arbeiten. Es braucht auch stets ein geschultes fürsorgliches Auge des Bauern.

 

Bayernkurier: Kürzlich kamen wieder Discounter wie Aldi mit Super-Billig-Milch daher. Wie fühlt man sich als Landwirt, wenn das eigene Produkt, also die Frucht ehrlicher und sehr harter Arbeit, dermaßen verramscht wird? Wie soll man solchem Dumping begegnen?

 

Mortler: Mir tut – wie jedem Bauern – das Herz weh, wenn Lebensmittel verramscht wer­den. Ich habe mich daher stets dafür eingesetzt, dass der Verkauf unter Einstandspreis verboten bleibt. Die Verbrau­cher haben es in der Hand, die Bauern bei den Erzeuger­prei­sen stärker zu unterstützen. Wenn nur ein Teil derer, die laut Umfragen bereit sind, mehr für Lebensmittel zu bezahlen, dies im Geschäft umsetzt, ist ein erster Schritt getan. Das ist ein ständiger Prozess. Daneben ist mir wichtig, dass Ernährung und der Umgang mit Lebensmitteln Kindern regelmäßig vermittelt wird. Damit wird Wertschätzung aufgebaut und unnötiger Lebensmittelverschwendung, gegen die ich mich engagiere, vorgebaut.

 

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